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Start · Journal · Immobilienvideo: Formate, Auflösungen und Längen

6. August 2026 · Formate & Technik · Dominik Wiesinger

Immobilienvideo — Formate, Auflösungen und Längen

„Schickst du mir das auch fürs Hochformat?" ist die häufigste Rückfrage nach einer Lieferung — und sie klingt nach einem Exportknopf. Tatsächlich stecken darin drei verschiedene technische Größen, die im Gespräch dauernd in einen Topf geworfen werden. Dieser Artikel trennt sie und sagt, was das für den Drehtag und für das fertige Material bedeutet.

Hochformat-Aufnahme eines Chalets aus einem FPV-Drohnenvideo
Für das Hochformat aufgenommen, nicht daraus beschnitten — genau darum geht es hier
Drei Größen

Seitenverhältnis, Auflösung, Länge — drei Dinge, nicht eines

Das Seitenverhältnis ist die Form des Bildes: 16:9 liegt quer, 9:16 steht hochkant, 4:5 und 1:1 liegen dazwischen. Es entscheidet, was überhaupt im Bild ist — und es wird beim Filmen festgelegt, nicht beim Export.

Die Auflösung ist die Anzahl der Bildpunkte innerhalb dieser Form: 3840 × 2160 sind viermal so viele Punkte wie 1920 × 1080, aber beide sind 16:9. Auflösung ist eine Frage von Detailschärfe und Reserve, nicht von Bildausschnitt.

Die Länge schließlich ist eine dramaturgische Größe und keine technische. Sie ergibt sich daraus, was gezeigt werden muss und wie lange jemand bereit ist zuzusehen — und das ist von Kanal zu Kanal grundverschieden.

Diese drei werden dauernd vermischt, meist in der Form: „Ich brauche das noch in 4K für Instagram." Der Satz enthält zwei Missverständnisse auf einmal. Wer sie einmal auseinandersortiert hat, kann bei jeder Produktion sagen, was er wirklich braucht — und muss nicht alles bestellen.

Was dieser Artikel nicht tut: Formate gegeneinander abwägen. Ob ein Objekt einen klassischen Objektfilm, eine FPV-Tour oder einen Rundgang braucht, ist eine andere Frage — beantwortet im Formatvergleich. Hier geht es um das, was danach kommt: die technische Anforderungslage der Ausspielwege.

Der Beschnitt

Hochformat ist keine zugeschnittene Querformat-Datei

Das ist der Punkt, an dem die meiste Wirkung verloren geht, und er lässt sich vorrechnen. Nehmen wir eine Aufnahme in 3840 × 2160 — ein normales 16:9-Bild in 4K. Wer daraus ein 9:16-Hochformat schneidet und dabei die volle Bildhöhe behält, bekommt einen Ausschnitt von 2160 × 9 ÷ 16 = 1215 Bildpunkten Breite.

1215 von 3840: Es bleiben rund 32 Prozent der ursprünglichen Bildbreite übrig, gut zwei Drittel fallen weg. Rein zahlenmäßig geht die Rechnung noch auf — 1215 × 2160 liegt über den 1080 × 1920, in denen das Hochformat ausgeliefert wird. Die Auflösung ist also nicht das Problem.

Das Problem ist die Bildaufteilung. Eine Querformat-Einstellung ist darauf komponiert, dass links und rechts etwas passiert: der Raum öffnet sich zur Seite, die Fassade steht in ihrer Umgebung, der Garten reicht bis zum Bildrand. Genau diese zwei Drittel schneidet der Hochformat-Ausschnitt heraus. Übrig bleibt ein senkrechter Streifen aus der Bildmitte — technisch einwandfrei und inhaltlich beliebig.

Bei 4:5 ist derselbe Effekt schwächer, aber vorhanden: Aus voller Höhe ergeben sich 1728 Bildpunkte Breite, also noch 45 Prozent. Bei 1:1 sind es 2160, also 56 Prozent.

Die praktische Konsequenz ist keine technische, sondern eine des Drehtags: Wer Hochformat braucht, bekommt dafür eigene Einstellungen. Andere Kameraführung, andere Distanz, andere Bewegungsrichtung — vertikale Schwenks statt horizontaler, näher am Objekt, mehr Vordergrund. Deshalb ist die Frage nach den Kanälen keine Formalie im Erstgespräch, sondern eine Vorgabe für die Aufnahme.

Auslieferung

Was tatsächlich die Festplatte verlässt

Auslieferungsformate von DW Studio, Stand August 2026. Für 4:5 und 1:1 ist hier bewusst keine Pixelangabe eingetragen — sie richten sich nach dem jeweiligen Einsatz und werden im Angebot festgelegt. Welche Formate ein konkreter Auftrag enthält, steht dort ebenfalls; nicht jede Produktion umfasst alle.
Seitenverhältnis Auflösung Wofür
16:9 quer 3840 × 2160 Der Objektfilm in voller Auflösung: Website, YouTube, Präsentation auf großen Bildschirmen, Archiv
16:9 quer 1920 × 1080 Dieselbe Fassung in kleinerer Datei — für Portale, Exposé-Verlinkung und den Versand per Mail
9:16 hoch 1080 × 1920 Reels und Shorts für Instagram, TikTok und YouTube — aus eigenen Hochformat-Einstellungen
4:5 hoch nach Einsatz Feed-Beiträge, wo das Hochformat begrenzt ist, der Beitrag aber mehr Fläche einnehmen soll als quer
1:1 quadratisch nach Einsatz Feed- und Anzeigenplatzierungen, die quadratisch ausgespielt werden

Die Dateien sind so aufbereitet, dass sie ohne Zwischenschritt hochgeladen werden können — nichts zuschneiden, nichts umrechnen. Das ist der eigentliche Zweck der Aufteilung: Sie ersetzt die Runde, in der sonst jemand im Büro versucht, aus einer Datei fünf zu machen.

Auflösung

Warum 4K, wenn ohnehin herunterskaliert wird

Ein berechtigter Einwand: Wenn ein Portal das Video am Ende in einer kleineren Auflösung ausspielt und jede Plattform ihre eigene Komprimierung darüberlegt — warum dann überhaupt in 3840 × 2160 liefern?

Drei Gründe, keiner davon Marketing:

Reserve. In 4K lässt sich ein Bildausschnitt nachträglich vergrößern, eine wacklige Passage stabilisieren oder ein Detail heranholen, ohne dass die 1920 × 1080 der Endfassung darunter leiden. Was in Full HD ein Qualitätsverlust wäre, ist in 4K eine Bearbeitungsreserve.

Kompressionsverluste. Jede Plattform rechnet das hochgeladene Material neu. Wer bereits stark komprimiertes Material hochlädt, komprimiert doppelt — sichtbar an Flächen wie Himmel, Rasen und weißen Wänden, die dann fleckig werden. Ein hochauflösendes Ausgangsmaterial hat mehr Substanz, die diese zweite Runde übersteht.

Haltbarkeit. Ein Objektfilm überlebt die Vermarktung, für die er entstanden ist. Er wird für Referenzen, für die Website, für ein späteres Wiederangebot verwendet. Bildschirme werden nicht kleiner — Material, das heute knapp reicht, reicht später nicht mehr.

Umgekehrt gilt: 4K ist kein Selbstzweck. Für ein Reel, das auf einem Telefon läuft, bringt es nichts, und die 1920 × 1080 sind für Portale und Mailversand oft die praktischere Datei. Deshalb wird beides geliefert und nicht nur das größere.

Länge

Abgebrochen wird nicht am Ende, sondern am Anfang

Die Frage nach der richtigen Länge wird fast immer als Frage nach einer Zahl gestellt. Die Größenordnung für einen Objektfilm — ein bis zwei Minuten — steht auf der Seite Immobilienvideo. Interessanter ist, warum sie stimmt: Nicht weil Zuseher nach zwei Minuten aussteigen, sondern weil sie in den ersten Sekunden entscheiden, ob sie überhaupt einsteigen. Ein Film, der die ersten zehn Sekunden übersteht, wird meist zu Ende gesehen. Einer, der sie nicht übersteht, wäre auch mit dreißig Sekunden zu lang gewesen.

Daraus folgt für jeden Ausspielweg etwas anderes:

Erfahrungswerte aus der eigenen Produktion, keine Plattformvorgaben. Die tatsächlichen technischen Grenzwerte der Portale sind hier bewusst nicht angegeben — die Begründung steht im letzten Abschnitt.
Ausspielweg Was die Länge bestimmt
Portal und Exposé Der Grundriss. Wer den Film gesehen hat, soll die Raumaufteilung verstanden haben — das ist das Maß, nicht die Uhr. Hier sieht jemand zu, der sich bereits für das Objekt interessiert.
Eigene Website Dieselbe Fassung wie fürs Portal. Ein zweiter, kürzerer Schnitt lohnt sich erst, wenn der Film auf der Startseite läuft und dort nur Stimmung erzeugen soll.
YouTube Die Suchsituation: Hier wird der Film aktiv angeklickt. Längere Fassungen funktionieren, Titel und Vorschaubild entscheiden über den Einstieg.
Reels und Shorts Die erste Sekunde. Der Clip beginnt ungefragt beim Scrollen, meist stumm — er muss ohne Ton und ohne Vorlauf funktionieren. Details zum Format: Social-Media-Content.
Erstkontakt per Mail oder Messenger Die Dateigröße und die Geduld des Empfängers. Hier trägt eine bewusst kurze Fassung, deren Zweck nicht Information ist, sondern die Antwort.

Der Ton verdient dabei eine eigene Bemerkung. Im Objektfilm trägt die Musik einen erheblichen Teil der Wirkung — Tempo, Stimmung, Rhythmus des Schnitts hängen an ihr. Im Feed startet die Wiedergabe bei vielen Nutzern stumm. Ein Clip, dessen Wirkung an der Musik hängt, kommt dort nicht an; er braucht ein Bild, das allein trägt, und Text, der ohne Ton lesbar ist. Das ist kein Zusatz, sondern ein anderer Schnitt.

Reichweite

Das Portal holt Nachfrage ab, Social erzeugt sie

Hinter der Formatfrage steht eine Unterscheidung, die selten ausgesprochen wird. Auf einem Immobilienportal sucht jemand aktiv — nach Ort, Preis und Größe. Das Video muss dort niemanden gewinnen, sondern eine bereits vorhandene Frage beantworten: Passt dieses Objekt zu dem, was ich suche? Deshalb darf es länger sein, sachlicher, vollständiger.

Im Social-Media-Feed sucht niemand eine Immobilie. Die Aufnahme muss sich den Blick erst nehmen — gegen alles andere, was in derselben Sekunde vorbeiscrollt. Das ist ein anderer Auftrag an dasselbe Objekt, und er erklärt, warum dort ein anderes Format, eine andere Länge und ein anderer Schnitt gebraucht werden.

Dass dieser zweite Weg trägt, ist keine Behauptung: Die FPV-, Drohnen- und Immobilienvideos von DW Studio haben auf Social Media über 18,5 Millionen Aufrufe erreicht. Reichweite in dieser Größenordnung entsteht nicht auf Portalen — sie entsteht dort, wo Menschen ohne Kaufabsicht hinsehen und ein Objekt zum ersten Mal wahrnehmen.

Für die Vermarktung heißt das nicht „Social statt Portal". Es heißt, dass beide Wege unterschiedliche Aufgaben haben und deshalb unterschiedliche Dateien brauchen — und dass eine Produktion, die nur eine Form kennt, den anderen Weg nicht bedienen kann.

Der Drehtag

Warum die Kanäle vor dem Termin feststehen

Alles bisher Gesagte läuft auf einen einzigen praktischen Punkt zu: Die Zielkanäle gehören ins Erstgespräch, nicht in die Lieferung. Wer erst nach dem Dreh feststellt, dass auch Hochformat gebraucht wird, hat zwei Möglichkeiten — beschneiden und die Wirkung verlieren, oder einen zweiten Termin. Beides ist teurer als eine Minute Abstimmung vorher.

Konkret gebraucht werden drei Angaben: welche Plattformen bespielt werden, ob der Film auch als Kurzfassung gebraucht wird, und wer das Material einstellt — Sie selbst, eine Agentur oder die Portalanbindung. Aus diesen drei ergibt sich die Formatliste, und aus der Formatliste ergibt sich der Drehplan.

Was am Objekt selbst vorbereitet gehört, damit dieser Drehtag etwas taugt, steht in der Checkliste Die Immobilie vorbereiten, bevor der Fotograf kommt. Wie der Termin insgesamt abläuft, auf der Seite Ablauf.

Offen gesagt

Warum hier keine Portaltabelle steht

Ein Artikel mit diesem Titel müsste eigentlich eine Tabelle enthalten: Portal für Portal die maximale Dateigröße, die maximale Länge, das akzeptierte Containerformat und die Frage, ob überhaupt direkt hochgeladen werden kann oder nur ein Videolink hinterlegt wird. Diese Tabelle fehlt, und das ist eine Entscheidung.

Der Grund ist derselbe wie in den beiden Rechtsartikeln dieses Journals: Was sich nicht belegen lässt, wird nicht behauptet. Solche Grenzwerte ändern sich, ohne dass es angekündigt wird, sie unterscheiden sich je nach Vertragsvariante des Maklers, und eine Zahl, die vor einem halben Jahr gestimmt hat, ist heute möglicherweise falsch. Ein falscher Grenzwert in einer sauber gesetzten Tabelle sieht dabei genauso verlässlich aus wie ein richtiger — das ist das eigentliche Problem daran.

Die Angaben in diesem Artikel stammen deshalb ausschließlich aus der eigenen Produktion: Es sind die Formate, die tatsächlich ausgeliefert werden, und die Überlegungen, nach denen entschieden wird. Wo eine Plattformvorgabe den Ausschlag gibt, wird sie im Angebot für den konkreten Fall geklärt — und dann an der Stelle geprüft, an der sie gilt.

Ebenfalls nicht in diesem Artikel: Bildraten, Codecs und Containerformate. Sie gehören zur Auslieferung, sind aber für die Entscheidung, welche Formate ein Objekt braucht, ohne Belang — und ohne diese Relevanz haben sie in einem Ratgeber nichts verloren.

Weiter im Journal: Was kostet ein Immobilienvideo? ordnet ein, wie sich der Umfang einer Produktion auf den Preis auswirkt. Praktische Fragen zu Formaten und Lieferung beantwortet die FAQ-Seite.